Attest darf am ersten Krankheitstag gefordert werden


Zwar ist laut Gesetz schon lange klar, dass Arbeitgeber ab dem ersten Krankheitstag ein Attest fordern dürfen. Jedoch kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Uneinigkeiten zwischen Unternehmen und ihren Arbeitnehmern. Diese Uneinigkeiten dürften sich jetzt erledigt haben, denn das Bundesarbeitsgericht entschied am 31. Oktober in Erfurt zu Gunsten der Arbeitgeber und bestätigte damit aktuell geltendes Recht.

Geklagt hatte eine Mitarbeiterin des Westdeutschen Rundfunks, die aufgrund einer Krankmeldung aufgefordert wurde, zukünftig ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorzulegen. Sie empfand dies als Verstoß gegen das Schikaneverbot, da diese Pflicht nicht für andere Mitarbeiter des Unternehmens galt. Nun wurde bestätigt, dass Arbeitgeber bei Krankheit, auch ohne Grund, umgehend ein Attest verlangen dürfen. Es muss also kein Verdachtsmoment vorliegen, dass die Krankheit nur vorgetäuscht ist.

Die Vorteile für Arbeitgeber liegen klar auf der Hand. Sie besitzen nun ein Mittel, um Arbeitnehmer unter Druck zu setzen. Wer bereits weiß, dass er direkt am ersten Tag der Krankheit ein Attest abgeben muss, überlegt es sich wohl zweimal, ob er wegen Kopfschmerzen zu Hause bleibt und den halben Tag in einem Wartezimmer verbringt oder ob er sich doch zur Arbeit quält.

Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass in 2010 von den insgesamt 37,2 Millionen Arbeitnehmern in Deutschland, jeder rd. 9,5 Arbeitstage krankgeschrieben war. Den niedrigsten Wert der vergangenen 20 Jahre gab es in 2007 mit durchschnittlich etwa 7,9 Fehltagen. Ob sich dieser Wert durch Androhung einer Attestpflicht reduzieren lässt ist fraglich. Ebenso sind die negativen Einflüsse auf die Arbeitsmotivation nicht zu unterschätzen, denn Attestpflicht zeigt dem Arbeitnehmer, dass seitens des Arbeitgebers kein Vertrauen mehr herrscht.

Wer sich trotz Krankheit zur Arbeit begibt, riskiert eine Verschlimmerung der Krankheit und damit einen längeren Arbeitsausfall. Vor allem wo auf engstem Raum gearbeitet wird, z.B. in Büroräumlichkeiten, ist die Gefahr einer Ansteckungen groß. So können in kurzer Zeit mehrere Mitarbeiter von einem Ausfall betroffen sein.

Auf der anderen Seite müssen Arbeitnehmer aber auch einsehen, dass ihre Chefs nicht gerne Geld für abwesende Mitarbeiter ausgeben wollen. Versetzt man sich nur kurz in die Lage eines Geschäftsführers, versteht man, welche Motivation hinter solchen Aktionen steckt.

Schlussendlich muss jeder Arbeitgeber die Vor- und Nachteile einer solchen Attestpflicht abwägen und individuell entscheiden. In vielen Unternehmen funktioniert die Regelung „Attest ab dem 3. Tag der Krankheit“ sehr gut, andere müssen aufgrund der Arbeitseinstellung mancher Mitarbeiter zu solchen Maßnahmen greifen.

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