Wann kann der Chef wegen Krankheit kündigen?


Im Zusammenhang mit einer Kündigung bestehen immer noch viele falsche Vorstellungen und Missverständnisse. Eines davon ist die Überzeugung, dass dem Arbeitnehmer während einer Krankheit nicht gekündigt werden kann. Dem ist jedoch nicht so. Im Gegenteil, unter bestimmten Voraussetzungen kann die Krankheit des Arbeitnehmers sogar der Grund für eine Kündigung sein. Das Arbeitsrecht spricht von einer krankheitsbedingten Kündigung. Der Kündigungsgrund liegt in der Person des Arbeitnehmers.

Wann ist eine krankheitsbedingte Kündigung rechtens?

Damit eine Kündigung wegen Krankheit wirksam wird, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Eine negative Gesundheitsprognose

-> Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer wahrscheinlich auch in Zukunft wegen Krankheit ausfallen wird.

  • Die Krankheit führt zur Beeinträchtigung der ökonomischen und betrieblichen Interessen des Arbeitgebers.

-> Das trifft dann zu, wenn das Fehlen des Kranken Störungen im Betriebsablauf verursacht und der Arbeitgeber hohe Kosten wegen Lohnfortzahlung zu tragen hat.

  • Eine Abwägung der Interessen muss zugunsten des Arbeitgebers ausfallen.

-> Das bedeutet, dass es unter Berücksichtigung aller Umstände dem Arbeitgeber nicht mehr zugemutet werden kann, den Arbeitnehmer weiter zu beschäftigen.

Nur wenn alle drei Gründe gemeinsam zutreffen, ist eine krankheitsbedingte Kündigung möglich und wirksam.

Nehmen Sie Ihre Rechte wahr!

Korrektes Verhalten erspart Ihnen viel Ärger und Stress. Falls Sie wegen einer Krankheit nicht zur Arbeit kommen können, informieren Sie umgehend den Arbeitgeber. Schichtarbeiter rufen beispielsweise auf Arbeit an und teilen ihren direkten Vorgesetzten mit, dass sie nicht zur Arbeit kommen können. Gehen Sie so schnell wie möglich zum Arzt und lassen sich einen Krankenschein ausstellen. Das Gesetz verlangt die Vorlage einer solchen Bescheinigung spätestens am dritten Fehltag, viele Firmen sogar schon ab dem ersten Tag. Falls Sie öfter krank sein sollten, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef. Eventuell besteht die Möglichkeit, Sie an einen besser geeigneten Arbeitsplatz zu versetzen.

Sollten Sie eine krankheitsbedingte Kündigung erhalten, wenden Sie sich an Ihre betriebliche Vertretung (Betriebsrat, Gewerkschaft) um Unterstützung. Legen Sie auf jeden Fall gegen die Kündigung Widerspruch ein. Dazu wenden Sie sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Sie haben dafür 2 Wochen nach Zugang der Kündigung Zeit. Unternehmen Sie nichts, akzeptieren Sie die Kündigung. Viele krankheitsbedingte Kündigungen sind nicht wirksam, weil mindestens einer der drei oben genannten Gründe nicht zutrifft. Ein Nachlassen der Leistung aufgrund zunehmenden Lebensalters gilt übrigens nicht als Kündigungsgrund. Auch bei chronischen Erkrankungen ist es nicht ohne weiters möglich, dem Arbeitnehmer zu kündigen.

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