Bildungsurlaub für Arbeitnehmer – Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?


In Deutschland haben Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich von ihrer beruflichen Tätigkeit freistellen zu lassen, um an Weiterbildungsangeboten teilzunehmen. Jedoch müssen bestimmte Voraussetzungen für einen solchen Bildungsurlaub erfüllt sein.

Fakt ist, dass nicht in jedem Bundesland entsprechende Gesetzmäßigkeiten existieren, welche die Möglichkeit eines Bildungsurlaubs regeln. So zum Beispiel in Thüringen, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Allerdings wurden teilweise bereits Gesetzentwürfe auf den Weg gebracht.

In Berlin hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf eine Bildungsfreistellung. Diese Bezeichnung wird mitunter gerne verwendet, um die Begrifflichkeit „Urlaub“ adäquat zu ersetzen. So beträgt der vom Gesetzgeber zugeschriebene maximale Zeitrahmen in der Bundeshauptstadt sowie in Rheinland-Pfalz zehn Tage innerhalb von 24 Monaten. In Hessen hingegen haben Arbeitnehmer lediglich einen Anspruch von fünf Tagen innerhalb von zwei Jahren. Ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Hier jedoch ist es möglich, eine nicht in Anspruch genommene Bildungsfreistellung auf das Folgejahr zu übertragen.

Weiterbildung im größten Bundesland Deutschlands

In Nordrhein-Westfalen haben Arbeiter und Angestellte einen gesetzlichen Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub binnen 12 Monaten, wobei hier das Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz zu Grunde liegt: §§2,3 AWbG. Dieses besagt, dass interessierte Arbeitnehmer ihren beruflichen Standort im jeweiligen Bundesland haben müssen. Grundsätzlich hängt der Anspruch jedoch von der Größe des jeweiligen Unternehmens sowie vom Umfang der ins Auge gefassten Weiterbildung ab. Wissenswert ist darüber hinaus, dass der Zwei-Jahres-Anspruch nach Bedarf auch zusammengefasst werden kann. Insofern ist folglich eine gewisse Flexibilität gegeben.

Nimmt der Arbeitnehmer eine Bildungsfreistellung in Anspruch, so ist er selbstverständlich nicht berechtigt, im Rahmen der Freistellung eine Weiterbildungsmaßnahme durchzuführen, die nicht dem tatsächlichen Zweck seiner hauptberuflichen Tätigkeit entspricht.

Arbeitnehmer, die mindestens sechs Monate in einem Unternehmen beschäftigt sind, haben einen Anspruch auf einen Bildungsurlaub. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Vergütung uneingeschränkt fortzusetzen. Ist eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses bzw. eine Neuanstellung in einem anderen Unternehmen angedacht, so bleibt das Anrecht auf die Bildungsfreistellung unberührt. Gesetzt den Fall, dass ein Bildungsurlaub bei einem alten Arbeitgeber nicht in Anspruch genommen wurde, so besteht das Recht hierauf selbstverständlich auch im neuen Unternehmen. Allerdings ist diesbezüglich die sechsmonatige Mindestunternehmenszugehörigkeit zu berücksichtigen.

In jedem Unternehmen besteht die Chance auf Bildungsurlaub, aber…

Selbstverständlich besteht auch im Erziehungsurlaub die Möglichkeit, eine Bildungsfreistellung in Anspruch zu nehmen. So kann der Bildungsurlaub jedoch nur dann genommen werden, wenn der Arbeitnehmer während des Erziehungsurlaubs auch tatsächlich im Unternehmen tätig ist, zum Beispiel in Form einer Teilzeitbeschäftigung. Ein Anspruch auf die Fortzahlung des Arbeitnehmerentgeltes besteht allerdings zu keiner Zeit während des Erziehungsurlaubs.

In Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten kann einen Bildungsurlaub ohne Einschränkungen in Anspruch genommen werden. Sind nur etwa zehn bis 50 Beschäftigte im Unternehmen tätig, ist eine Belastungsgrenze von 10 Prozent zu berücksichtigen. Das heißt, dass ein Anspruch auf die Freistellung zum Bildungsurlaub nur dann besteht, wenn insgesamt 10 Prozent der Arbeitnehmer pro Kalenderjahr freigestellt wurden.

Prinzipiell dürfen derartige Weiterbildungsmaßnahmen nur von anerkannten Anbietern für Bildungsfreistellungsveranstaltungen wahrgenommen werden.

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